Grundschulempfehlung - Schulformempfehlung - Grundschulgutachten:

Grundschulempfehlung, Schulformempfehlung usw. - die Voraussetzung für den Besuch (und Verbleib) einer bestimmten weiterführenden Schule: 

Die Frage, ob Schüler eine Zugangsbeschränkung für die Wahl einer weiterführenden Schule erhalten sollen, ist bildungspolitisch (vor allem kurz vor Wahlen) seit jeher ein brisantes Thema.

  • Bspw. in Bayern und Sachsen hängt der Übergang auf eine weiterführende Schule verpflichtend von den Noten in der Grundschulempfehlung ab, da weiterführende Schulen nur mit einer solchen Grundschulmpfehlung (Übertrittszeugnis, Bildungsempfehlung) Schüler aufnehmen dürfen. Daneben gibt es noch die Möglichkeit einer Aufnahmeprüfung (in Bayern als Probeunterricht bezeichnet), die allerdings nicht so ausgestaltet sind, daß jeder mit der Empfehlung unzufriedene Schüler diese dann auch ohne weiteres besteht.
  • In Hessen und Rheinland-Pfalz ist die Grundschulempfehlung hingegen wirklich nur eine Empfehlung und die Eltern haben die freie Schulwahl.

Die Grundschulempfehlung ist allerdings nur ein Aspekt, denn wer auf einer bestimmten Schulform nach Klassenstufe 4 angekommen ist, möchte ja auch dort verbleiben:

  • Hier ist umgekehrt zu erkennen, daß Bundesländer mit verpflichtender Grundschulempfehlung nicht mehr so einfach von der weiterführenden Schule verwiesen werden können (nur noch, wenn sie zweimal im selben Jahr oder zweimal hintereinander sitzenbleiben, wie dies ja deutschlandweit ist).
  • Demgegenüber haben Bundesländer mit freier Schulwahl eine "nachgelagerte Grundschulempfehlung" nach Klassenstufe 6: Der "freie Elternwille" dann nämlich doch wieder eingeschränkt, indem Kinder zwangsweise nach der 6. Klasse der Schulform verwiesen werden können.

NRW hatte über die verpflichtende Grundschulempfehlung und die Erprobungsstufe bisher beide Instrumentarien verwendet, d.h. der Zugang zu einer bestimmten Schulform nach Klassenstufe 4 oblag der Entscheidung der Schule (bzw. dem Bestehen des Prognoseunterrichts) und am Ende der Erprobungsstufe (Klasse 6) konnte der Schüler zwangsweise von der Schulform verwiesen werden. Die Grundschulempfehlung war in NRW allerdings nicht so relevant wie in anderen Ländern, denn durch die Schulform der Gesamtschule hatte jeder Schüler eine Alternative.

Im Zuge der Neubildung der Regierung wurde nur die erste (praktisch vergleichsweise irrelevante) Stufe der Schulformwahl (die Grundschulempfehlung) politisch diskutiert und nunmehr auch abgeschafft, während die (praktisch ohnehin relevantere, aber in der Öffentlichkeit nicht so sehr als Problem wahrgenommene) Erprobungsstufenentscheidung bestehen blieb.

Kurzum: Bildungspolitisch betrachtet wird man durchaus einen "großen Wurf" in Zweifel ziehen können, zumal zu erwarten ist, daß über die Erprobungsstufenentscheidung nunmehr die Schüler vermehrt ausgesiebt werden, die über die freie Schulwahl gerade erst in ihre Wunschschule gelangt sind.

Grundschulempfehlung - Schulformempfehlung in Nordrhein-Westfalen (NRW):

Die Grundschulempfehlung in NRW gibt es also nicht mehr, so daß jedes Kind künftig die freie Schulwahl nach Klassenstufe 4 hat.

Zu beachten ist allerdings, daß nach dem Ende der Erprobungsstufe nach wie vor Kinder zwangsweise der Schulform verwiesen werden können und das zu erwarten ist, daß entsprechende "Bemühungen" der Schulen zunehmen werden, wenn sie nach Klassenstufe 4 Schüler erhalten, die sie nicht haben möchten und auf diese Weise ganz legal wieder loswerden können.

Schauen Sie hierzu zu meinen Ausführungen zur Erprobungsstufenentscheidung.