Legasthenie und LRS ind Nordrhein-Westfalen - Legasthenie-Erlass:

Fördermaßnahmen und Nachteilsausgleiche bei Legasthenie bzw. umgangssprachlich auch LRS (mithin auch genauer differenziert in Lese-Rechtschreibschwäche & Lese-Rechtschreibstörung) regelt in Nordrhein-Westfalen der Legasthenie-Erlass Nordrhein-Westfalen.

Legasthenie-Erlass Nordrhein-Westfalen:

Der Legasthenie-Erlass Nordrhein-Westfalen ist ein inzwischen im Vergleich mit anderen Bundesländern "im Mittelfeld liegende Regelung". Den tatsächlichen Erfordernissen wird sie nur ansatzweise gerecht wird, andererseits gibt es einige beachtliche Ansätze, die über das hinausgehen, was andere Bundesländer regeln.

Wer einen Vergleich mit Regelungen anderer Bundesländer haben möchte, den verweise ich auf meinen Landesportal Schulrecht Bayern, mit Ausführungen zu sehr weitreichenden Regelungen in Bayern, insbesondere Unterscheidung zwischen Lese-Rechtschreibschwäche und Lese-Rechtschreibstörung.

Feststellung von Legasthenie bzw. LRS:

Ein Kernstück ist stets die Feststellung von Legasthenie bzw. LRS.

Manchmal gehen die Impulse von den Schulen aus, im Regelfall wird man sich aber selbst darum kümmern müssen.

Bitte beachten Sie, daß bei dem Feststellungsverfahren große preisliche Unterschiede bestehen können: Im besten Fall ist das Feststellungsverfahren kostenlos, im schlechtesten Fall kann es sehr teuer sein. Man muß sich einfach vor Ort informieren, welche Möglichkeiten bestehen und in welchen Zeiträumen Termine für Feststellungsverfahren bestehen.

Ein anderer Aspekt des Feststellungsverfahrens sind sehr stark differierende Qualitäten der Feststellungsverfahren: Das muß nicht immer eine Frage des Preises sein. Aus meiner Sicht ist es immer vorteilhaft, wenn das Legasthenie-Gutachten individuell verfaßt und leicht verständlich ist

Ein weiterer Aspekt ist, ob die Schule das Gutachten anerkennt. Das ist in NRW bei Privatgutachten meist der Fall, es gibt aber auch mitunter Schulen, die weitere Gutachten über das Schulamt fordern.

Sie sehen, daß die Erstellung des Legastheniegutachtens keineswegs einfach ist und bereits an dieser Stelle Fragen auftauchen. Dies ist allerdings bei näherer Betrachtung durchaus nachvollziehbar, denn das, was in dem Gutachten steht, ist Grundlage für die Berücksichtigung von Legasthenie in der Schule. Aus diesem Grund ist gerade bei Erstellung des Legastheniegutachtens höchste Aufmerksamkeit geboten. Sollte Ihnen etwas unklar sein, kontaktieren Sie mich bitte rechtzeitig, denn die frühzeitige Feststellung von Legasthenie und LRS ist stets Voraussetzung für eine reibungslose Inanspruchnahme der hieraus resultierenden Folgen (Fördermaßnahmen, Nachteilsausgleiche).

Fördermaßnahmen Legasthenie, LRS - Vorsicht Inklusion!!!

Die Fördermaßnahmen sind im Legasthenie-Erlass NRW unter Ziffer 2 geregelt.

Leider sind solche Maßnahmen in der Praxis meist völlig unzureichend. Sich in der Schule oder dem Schulamt zu beschweren, führt regelmäßig nicht weiter, da Legasthenieunterstützung in der Praxis wie Unterricht läuft und da haben sich Schulämter bereits an bessere oder schlechtere Lehrer gewöhnt. Darüber hinaus ist die Ausbildung der abgestellten Lehrer meist unzureichend, so daß die Probleme weitgehend selbstgemacht sind.

Größte Vorsicht ist geboten, wenn Schulen sonderpädagogischen Förderbedarf in Form einer "Lernbehinderung" vorschlagen - d.h. ein AOSF-Verfahren. Im Zusammenhang mit der Inklusion versuchen Schulen neuerdings immer öfter, sich aus der Verantwortung zu stehlen, indem Schüler sonderpädagogischen Förderbedarf angedichtet bekommen und dann ein Sonderpädagoge im Rahmen gemeinsamen Unterrichts (GU) sich um die Kinder kümmern soll.

Legasthenie ist quantitativ und qualitativ für sich genommen keine Lernbehinderung und man sollte immer aufpassen, daß man nicht in das Raster sonderpädagogischer Förderbedarf gerät, da man ansonsten dort nicht mehr so einfach wieder rauskommt.

Sollte demnach sonderpädagogischer Förderbedarf in Form eines AOSF-Verfahrens "angeboten" werden, sollte dies keineswegs vorschnell angenommen werden. Im Einzelfall mag dies auch einmal sinnvoll sein, meist aber gefährlich. Bevor Sie etwas unterschreiben, wenden Sie sich zumindest in Form einer Erstberatung an mich. Sollte die Schule Druck ausüben (das gibt es auch!), kann ich natürlich auch deutschlandweit Ihre Interessen vertreten, wobei es sinnvoll ist, möglichst frühzeitig ein solches Ansinnen im Keim zu ersticken.

Nachteilsausgleich Legasthenie, LRS:

Der Nachteilsausgleich Legasthenie/ LRS ist in der Praxis der wichtigste Bereich, da es hier um die Noten geht. Die diesbezüglichen Verhandlungen bauen auf einem möglichst aussagekräftigen Legasthenie-Gutachten auf.

Inhaltlich beinhaltet der Nachteilsausgleich immer 2 Komponenten:

  • Die Leistungsfeststellung (das Anfertigen einer Klausur).
  • Die Leistungsbeurteilung (die Benotung).

Wichtig sind beide:

  • Die Leistungsfeststellung, weil man dort versäumte Nachteilsausgleiche im schulischen Bereich kaum nachholen kann.
  • Die Leistungsbeurteilung, weil es hier um die Wurst geht.

Die Regelungen im Kurzüberblick:

  • Bei der Leistungsfeststellung beinhaltet der Legastenie-Erlass NRW bekannte Beispielsfälle für Nachteilsausgleiche: Andere Aufgabe, Schreibzeitverlängerung, Absehen von Benotung bzw. Bemerkung, die den Lernstand anzeigt.
  • Bei der Leistungsbeurteilung sollen Rechtschreibleistungen nicht einbezogen werden.
  • Bei der Versetzung und bei der Grundschulempfehlung soll Legasthenie keinen Ausschlag geben.

Der Haken ist, daß nach den Verwaltungsvorschriften diese Regelungen nur für die Klassen 3-6 uneingeschränkt gelten, für die Klassen 7-10 nur mit Einschränkung. Da Legasthenie oftmals nicht heilbar ist, ist dies nicht hinnehmbar und ein Vergleich mit Bayern zeigt, daß es auch anders geht. Die Schulen und die Schulverwaltung neigen natürlich dazu, sich hierdurch gebunden zu sehen (was natürlich den eigenen Interessen entgegenkommt).

In jedem Falle sollte - ungeachtet dessen - der konkrete Nachteilsausgleich in jeder Klassenstufe (auch noch in der Kursstufe) angesprochen werden und auch berücksichtigt werden, daß Legasthenie zu Problemen beim Aufgabenverständnis in anderen Fächern führen kann (bspw. Textaufgaben Mathematik). Dies gebietet der unmittelbar aus der Verfassung herzuleitende und das gesamte Schulrecht überlagernde Grundsatz der Chancengleichheit, der auch über die Erlaßregelung hinausgehende Nachteilsausgleiche erfordert.

Für eine Erstberatung oder die deutschlandweite Vertretung Ihrer Interessen konktaktieren Sie mich bitte direkt.

Relevante Fälle für Legasthenie/ LRS - Schulformempfehlung und Versetzung:

Besondere Relevanz erlangen fehlende Nachteilsausgleiche immer dann, wenn es um die Schulformempfehlung oder Versetzungsentscheidungen geht. Hier geht es quasi "um die Wurst" und hier dürfte immer ein uneingschränktes Rechtsschutzbedürfnis bestehen, dies im Rahmen von Rechtsstreiten zum Thema zu machen.

Für nähere Informationen, für eine Erstberatung oder für die deutschlandweite Wahrnehmung Ihrer Interessen (insbesonder zur Unterstützung bei Einzelfallregelungen mit der Schule) kontaktieren Sie mich bitte direkt.